Die Berichte über die Vorgänge beim Trier Medienunternehmen Socoto werfen Fragen zum Umgang mit Beschäftigten und zur Rolle der Mitbestimmung in Unternehmen auf.
Trier und Rheinland-Pfalz sind auf innovative Unternehmen, Fachkräfte und attraktive Arbeitsbedingungen angewiesen. Und dazu gehört auch, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre gesetzlich verankerten Rechte ohne Druck wahrnehmen können.
Zu den Entlassungen von 23 Beschäftigten beim Trierer Unternehmen Socoto erklärt Landtagsabgeordnete Natalie Cramme-Hill:
„Wer Beschäftigten per Videokonferenz kündigt und dies unmittelbar vor der Gründung eines Betriebsrats tut, sendet ein verheerendes Signal. Das ist kein unglücklicher Einzelfall oder schlechtes Krisenmanagement – das ist eine Entwicklung, die Mitbestimmung schwächt und Menschen verunsichert.“
Digitalisierung falsch verstanden
Auch wenn Arbeitsrechtler das gewählte Vorgehen als rechtlich zulässig bewerten, bleibt das Signal problematisch. Die Betroffenen wurden zu einer wichtigen Teams-Besprechung eingeladen, ohne zu wissen, dass ihnen dort die Kündigung mit sofortiger Freistellung mitgeteilt werden würde, die tags zuvor schriftlich versendet wurde. Zeitgleich wurden Passwörter und Gebäudezugänge gesperrt.
Ein solches Vorgehen mag organisatorisch effizient erscheinen, ist jedoch alles andere als ein respektvoller Umgang mit Beschäftigten.
Digitalisierung muss Kommunikation erleichtern und Zusammenarbeit stärken – nicht persönliche Verantwortung ersetzen. Gerade ein modernes Medienunternehmen wie Socoto sollte verstehen, dass technischer Fortschritt und wertschätzende Unternehmenskultur zusammengehören. Kündigungen per Videokonferenz senden buchstäblich das falsche Signal: Gegenüber den eigenen Beschäftigten, potenziellen Fachkräften und dem Wirtschaftsstandort Trier und Rheinland-Pfalz insgesamt.